#TakeNoShit: Was tut recordJet gegen Neonazi-Musik und Hatespeech?

Im Nachgang der Ausschreitungen in Charlottesville, Virginia im August 2017 haben viele Musik-Streamingdienste, allen voran Spotify, damit begonnen, Nazi-Musik und Musik von White Supremacists von ihren Plattformen zu entfernen. Der englischsprachige Musikblog „Hypebot“ fragte sich darauf hin zu Recht: Wie kam diese Musik denn überhaupt auf die Plattformen?
 
Die Antwort ist klar: Musikvertriebe sind diejenigen, die Musik aller Art gegen eine Gebühr annehmen und in den Downloadstores und Streamingplattformen vertreiben. Dies geschieht teilweise auch sehr unkritisch, wie ein nicht näher genannter Musikvertrieb auf Hypebot zitiert wird: „We only check someone’s content if we’ve gotten complaints.“
 
Tracy Maddox, CEO von CD Baby, wird im selben Artikel zitiert mit den Worten „…it is impossible to screen every song for objectionable content“.
 
Aber ist das so? Und wie geht die recordJet Crew mit inhaltlich fragwürdigen Releases, z.B. mit Nazimusik, um? Wir haben Captain und Gründer Jorin befragt:
 
Wurde bei recordJet bereits Nazimusik hochgeladen, und wie seid ihr damit umgegangen?
Jorin: Leider werden auch wir nicht von Nazimusik-Uploads verschont. Die recordJet Crew hat sich seit Gründung unseres Unternehmens kritisch mit dieser Musik auseinandergesetzt. Es ist und war von Anfang an Teil unserer Geschäftspolitik, Nazis keinen Vertriebskanal zu bieten – daher reagieren wir nicht erst, wenn Beschwerden kommen. Nazimusik wird noch vor der Veröffentlichung abgelehnt und gelöscht, und wir fordern die Künstler auf, keine weiteren Uploads bei uns vorzunehmen.
 
Einige Musikvertriebe sagen ja, dass es nicht möglich ist, alle eingehende Musik vorab zu screenen und Nazi-Inhalte auszusondern. Wie seht ihr das?
Unsere Tech Crew hört beim obligatorischen Qualitätscheck in jeden Release rein, bevor er unser Haus verlässt – wirklich jeden, ohne Ausnahme! Ich selbst bin ebenfalls Teil der Tech Crew, also muss jeder Release auch an mir vorbei. Das hat nicht nur den Vorteil, dass wir Talente entdecken und diese fördern können, sondern eröffnet uns die Möglichkeit einen gewissen Qualitätsstandard zu erfüllen. Auch die Metadaten müssen gewissen Anforderungen entsprechen und aufbereitet werden, um bestmögliche Ergebnisse für die Künstler zu erzielen. Fällt uns dabei auf, dass das Coverbild, die Songtitel, die Lyrics oder auch alles zusammen in irgendeiner Weise fragwürdig sind, wird der Release gelöscht und der Kunde darüber informiert. Das Geld wird zurückerstattet, das wollen wir gar nicht.
 
Wie gut seid ihr darin, Nazimusik herauszufiltern?
Das Gute ist ja, dass wir in Deutschland ziemlich sensibilisiert sind für Nazi-Symbole und Inhalte, auch wenn sie subtil sind. Das haben wir den amerikanischen Kollegen möglicherweise voraus, dass unser Gefühl da schneller Alarm schlägt und auch in der Regel richtig liegt. Darüber hinaus haben wir uns intensiv mit der Thematik beschäftigt, um auch sehr versteckte Symboliken zu erkennen. Allerdings hilft auch die beste Sensibilisierung nichts, wenn man sich erst gar nicht die Mühe macht, solche Inhalte zu screenen. Wir tun das standardmäßig. Ihr Karma können sich gerne die anderen ruinieren ;-).
 
Und woran erkennt ihr fragwürdige Inhalte?
In den meisten Fällen erkennt man solche Releases bereits an der Symbolik im Coverbild, an den Tracktiteln oder allerspätestens an den Lyrics. Nazimusik ist meist sehr eindeutig. In einigen Fällen ist es jedoch etwas komplizierter. Wenn die Tech Crew sich intern unsicher ist schalten wir den Rest der Crew ein und diskutieren die Inhalte. Dabei gehen wir dann auch mal tiefer in die Recherche und schauen uns die Social Media Profile und Webseiten der Bands genau an, denn dann wird im Zweifelsfall ganz schnell klar, wie die Musik einer Band ideologisch zu bewerten ist. Und dann kommt es durchaus zu Ablehnungen. Das kann zwar im Einzelfall etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen, ist es uns aber Wert, dass unser Katalog sauber bleibt. Zum Glück sind 99% unserer Passagiere jedoch nette, vernünftige Menschen, die Musik einstellen, die wir inhaltlich vertreten können.
 
Musstet ihr schon viele solcher Releases ablehnen?
Nicht unbedingt viele, aber leider regelmäßig.
 
Hypebot schlägt vor, Tools und Bots einzusetzen um Nazi-Musik zu erkennen und zu filtern. Was haltet ihr davon?
Das kann zum Teil funktionieren wenn es um bloße Schlagworterkennung in den Titeln geht. Wie bereits erwähnt ist es manchmal jedoch nicht so leicht. Wir sehen bisher keine Alternative dazu, die Musik, und zwar wirklich jeden Release, von echten Menschen mit Herz und Verstand durchhören und prüfen zu lassen. Sowas kann kein Tool wirklich leisten. Eine gründliche Prüfung durch echte Mitarbeiter kann zwar manchmal dazu führen, dass der Qualitätscheck nicht in ein paar Minuten erledigt ist (siehe oben), aber diese Herzensangelegenheit lassen wir uns nicht nehmen. Unser Motto ist „Take No Shit“, und dabei bleiben wir. Und das möchten wir auch gerne unseren amerikanischen Kollegen ans Herz legen.
 
 
 

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