Passenger of the Month im September 2012: lilabungalow.

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Passenger of the Month im September 2012: lilabungalow – eine angenehme Enttäuschung.
 
Wer auf Stiltreue und Stetigkeit Wert legt, wird bei dieser Band auf das Angenehmste enttäuscht. LILABUNGALOW ist musikalische Zügellosigkeit. Multiinstrumentalist Patrick Föllmer ist Zentrum eines losen Haufens von fantastischen Musikern, die mit LILABUNGALOW durch die Gegend ziehen, in ihm wohnen, an ihm bauen.
 
Die Leichtigkeit eines im Grünen gelegenen Wochenendhauses steht durchaus Pate für die gemeinsame Arbeit der Band. Keine Zwänge, keine Masterpläne, immer auf der Suche nach gemeinsamen architektonischen Visionen für LILABUNGALOW. Songskizzen werden in die Hände anderer gelegt, reifen eine Weile bis ihre Musikalität verstanden wurde, und werden dann weiterbearbeitet. Dabei gleicht der Bungalow häufig eher einem Caravan, ist meist in Bewegung. Das musikpädagogische Konzept von Patrick Föllmer sieht keine Ausflüchte vor: Songs gehören auf die Bühne und Musik findet vor Publikum statt. Das professionelle Bedienen eines Instruments ist das eine, geschmeidige Tanzeinlagen sind das andere.
 
Dabei verändert sich zuweilen nicht nur die konkrete Besetzung, sondern gleich die ganze Ausführung des LILABUNGALOW: Ob als Big Band, Quintett mit Posaune oder nur mit Schlagzeug, Laptop und Gesang – Föllmers Stimme hält mit ihrem unglaublichen Spektrum Arrangements zusammen, denen man die naive Lust an Musik anhört. Diese Lust an Unterhaltung im besten Sinne wird spürbar, wenn Föllmer im Achselhemd singt, und zwischen Strophe und Refrain mit Trompete und Gitarre noch die Band in der Band gibt.
 
Am Ende kommt dabei Popmusik mit doppeltem Boden heraus. Handelsübliche Klischees und Hörgewohnheiten werden zitiert, beschleunigt, verkehrt und reanimiert. Klar kann man das Electro-Indie nennen, oder gern auch poetischer einen Strauß mit vielen verschiedenen Blumen – Am Ende kommt eh jemand und sagt „nur Gulasch schmeckt am besten.“ Was tatsächlich passiert: Irgendwo zwischen zuckersüßem Electropop, treibenden Funkperlen und einer fordernden E-Gitarre performt Föllmer Texte zu den großen Universalien des Lebens: Männer, Frauen, Leben und leben lassen.
 
Ohne ironische Distanzierung beteuert er, dass es ihm genau darum beim Musikmachen geht: Ein Bühne für seine Gespräche über das Leben im Allgemeinen und Speziellen – und auch Expliziten – zu bekommen. Die Möglichkeit, als Musiker auf einer Bühne nahezu alles tun zu können, ohne dass das Publikum unterscheiden kann, was improvisiert und was geplant war, reizt den Frontmann sichtlich. Zwischenansagen werden je nach Stimmungslage zu einem Spiel mit Dialekten, mit dem Publikum und mit eigenen Teil-Persönlichkeiten – Die brav wieder verschwinden, wenn der studierte Musiklehrer (!) umgezogen und charmant am Merchandise-Stand auftaucht.
 
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Im September wird nun das große Versäumnis der versammelten deutschen Musikindustrie behoben, es seit der Gründung von LILABUNGALOW im Jahr 2004 noch zu keinem offiziellen Release gebracht zu haben. Das selbstbetitelte Debütalbum gibt mit seinen zwölf Songs kein lebloses Modell, sondern einen Projektion im Maßstab 1:1. Den Musikern und dem produzierenden Studio ZODIAQUE ist es gelungen, die Gesichtsmuskelzuckungen, die Dynamik und das zuweilen anarchistische Potential von LILABUNGALOW so zu konservieren, dass die Songs dem Live-Eindruck in nichts nachstehen.
 
Weitere Informationen auf der Webseite von lilabungalow und auf Facebook.
 
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