Passenger of the Month im Januar 2013: Casca D’or.

Casca D'or | recordJet
 
Passenger of the Month im Januar 2013: Casca D’or.
 
Casca D’or, zwei Jungs – eine Leidenschaft. Die beiden Musiker Mourice Sauter und Soheil Boroumand, der eine aus der Nähe von Heidelberg, der andere aus Köln kommend, treffen sich durch einen gemeinsamen Freund. Er kennt die Musik der beiden und meint, diese unbedingt zusammenbringen zu wollen. Dies passierte 2008 in Mannheim. 
Soheil Boroumand ist gerade in die Stadt gezogen, um zu studieren, verbringt seine Tage und Nächte jedoch eher damit, Lieder zu schreiben und diese in komplexe Streicheraarangements zu hüllen. Aus einer Musikerfamilie stammend, spielt er seit frühester Kindheit Geige, Gitarre, Mandoline und Cello.
 
In Mannheim gründet er die dreiköpfige Folk-Band „Vasca“, in welcher er, begleitet von Cello und Percussion, Gitarre spielt und singt.
 Mourice Sauter, aufgewachsen im Rhein-Neckar-Delta jetzt in Ludwigshafen lebend, ist seit frühester Jugend mit elektronischer Musik verbunden und kreiert am Rechner technoide Sounds, bevorzugt aus selbst aufgenommenen, gesammelten Klängen und Frickeleien. Seit mehreren Jahren ist er in den Clubs unter dem Pseudonym „Spektrum-Mensch“ mit seinen Minimal-Livesets unterwegs.
 
Die beiden verabreden sich und produzieren in einer Nacht den ersten Song. „Gone, old and wild“. In kürzester Zeit entstehen vier weitere Tracks, alle jeweils in einer einzigen Nacht produziert. 
Eine Mischung aus klassischen Streicherarrangements, elektronisch-organischen Beats aus selbst kreierten Soundcollagen und kryptischen englischen Texten- gesungen von Boroumand in bester melancholischer Leonard Cohen Manier, Elektro und verschnörkelter 60er-Folk.
 Anders jedoch als bei vielen anderen Bands dieser Zeit, die ähnlich spielerisch mit Musikstilen und Einflüssen umgehen und die das „Copy and Paste-Verfahren“ als einzige wirkliche Arbeitsmethode benennen können, kann man bei Casca D’or sagen, dass es keine konkreten Bezüge oder Einflüsse gibt, auf die man sich beruft, obwohl einzelne Songs durchaus als eine krude Mischung aus einem Schubert-Streichquartett, einem Cohen-Song und einem Björk-Beat beschrieben werden können.
 
Aber das ist zu einfach. Vielmehr ist alles ein Spiel. Ein Versuch, mit dem, was man kann und eben auch nicht kann etwas künstlerisches zu erschaffen was es so noch nicht gab. Nichts wird bewusst kopiert und wiederverwertet. Einflüsse sind weniger andere Künstler oder Musikstile, als vielmehr das Leben selber, Klänge, Geräusche, Gefühle.
 
Dinge, die unbewusst in einen übergehen.
 Takt 24 aus dem Mozart-Requiem, Filme, Bücher, Sonne, ein billiger Pop-Song im Radio, Wasser, Beziehungen, Form und Chaos werden zu musikalischer Manifestation.
 Die Produktionsweise hat etwas berauschendes. Manchmal sind es Stundenlange tranceartige Livesession-Aufnahmen wie in den 60er Jahren, welche eine Quintessenz des nächsten Tracks beinhalten. Parallel entstehen Beats, Streicherspuren von orchestralem Ausmaß, Texte, Klänge, überlappen sich, trennen sich, kommen wieder zusammen.
 Ein Urknall. 
Jungfräulich geht die Sonne auf.
 
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Ein neuer Tag bricht an.
 Ein neuer Song kommt auf die Welt. 
Keiner weiß was da in den letzten 12 Stunden in dem dunklen Studiokeller passiert ist.
 Der Track ist im Kasten.
 Das Gefühl ist gut. 
Umso schwieriger dann die Live-Umsetzung der Songs. Wie überträgt man derart komplexe Soundstrukturen auf eine Bühne ohne einfach auf Play und Stop zu drücken? 
Man macht einfach weiter.
 
Im Winter 2012 erschien die erste, in schöner 60er Tradition, selbstbetitelte EP. Fünf kurzweilige Songs, klar strukturiert und ebenso verspielt arrangiert.
Trotz der Tatsache, dass Soheil Boroumand 2009 nach Berlin übersiedelt, um dort ein Schauspielstudium aufzunehmen, entstehen in den kommenden drei Jahren an die 10 Songs, aber auch etliche, teilweise 20-minütige Soundexperimente.
 
Bereits im Sommer 2013 wird die zweite EP erscheinen. Sie wird voraussichtlich weitaus elektronischer, härter, weniger Streicher-lastig.
Teilweise in Ludwigshafen, teilweise in Berlin aufgenommenen.
 Auf der Reise mit einem Auto voll Studio.
 
 
 

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